Archiv für den Monat: Mai 2016

Glauben.Hoffen.Ringen

 

GHS

Wer glauben, hoffen und singen kann, der kann mit dem neuen Liederbuch der Zukunft gut gelaunt entgegensehen. (Foto: TM)

Kurz vor dem Erscheinen des neuen Glauben-Hoffen-Singen kursierte der Witz in den Gemeinden, was denn das neue Liederbuch und Jesus gemeinsam hätten? Antwort: sie kommen bald. Wir haben also als Gemeinde nicht den Humor verloren und inzwischen halten wir ein neues Liederbuch in den Händen.

Für die einen eine überfällige Notwendigkeit, für die anderen freudig erwartet und für wieder andere ein weiterer Nagel im Sarg des deutschen Adventismus (was auch immer das ist). Zwischen diesen Polen lassen sich treffliche Diskussionen um Musik und Musikstile führen, denn Streiten gehört zu uns wie Potluck und Vegetarismusdebatten.

Die Aktualität und Relevanz dieser meist durch Erwachsene geführten Diskussionen wurde gleich durch eines meiner Kinder lässig ad absurdum geführt. Es berichtete mir, dass im Gottesdienst nun zum ersten Mal aus dem neues Liederbuch gesungen worden sei, und zwar die gleichen (man lese zwischen den Zeilen: langweiligen, alten) Lieder wie immer, nur halt neu gedruckt. So schwer beeindruckt ist die Jugend von den Sorgen um ein neues Liederbuch und dessen Orthodoxie.

Jetzt an Pfingsten wurden wir zu einem landeskirchlichen Gottesdienst in die barocke Schlosskirche auf der Insel Mainau eingeladen und wir gingen hin (schon wegen der damit verbundenen Freikarten für die Blumeninsel). In diesem historischen Ambiente (Putten allenthalben) bemühte sich der Pastor redlich um modernes Liedgut und schrammelte mutig auf seiner Gitarre Liedgut aus den 70ern („Danke, für diesen guten Morgen“ etc.). Da fühlten wir uns in unsere Jugendzeit versetzt, als das rhythmische Bearbeiten eines mit Saiten versehenen Klangkörpers im Gottesdienst noch irgendwas zwischen Avantgarde und Rebellion war. Es war halt unsere Musik und wir fühlten etwas, das die Großen nicht empfinden konnten. Sie sollten es auch nicht, das war ja der Sinn der Sache. Hauptsache, unsere Eltern machten sich Sorgen und verneinten, dass diese Geräusche überhaupt der Definition von Musik genügten.

Insofern ist aus pädagogischer Sicht ein neues Liederbuch (mit einem Anteil von tatsächlich neuen Liedern) ein Zeichen für einen unvermeidbaren und doch notwendigen Generationswechsel, der sich in unserer Freikirche vollzieht. Jetzt bestimmt die Generation, die damals die Gitarren und wenn es ganz schlimm kam selbst ein Schlagzeug in den Gottesdienst brachte, was gesungen wird (heute gibt es mit der Cajon das Schlagzeug light).

Die Aufregung hat aber auch etwas Gutes. Ich habe mein neues Liederbuch gegriffen und mich an die Tasten gesetzt mit dem Entschluss, es einmal von 1 bis 600irgendwas durchzuspielen. Diesen Impuls habe ich vorher nie gehabt. Im Moment bin ich bei den 200ern und es geht meinem Glauben prima. Ich entdecke tolle Lieder und olle Lieder, singbare und herausfordernde, gesetzte und gut gesetzte. Es ist wie das pralle Leben. Aber vor allem wird mir wieder klar, worum es eigentlich geht: um unvollkommenes, mal gestottertes, mal geträllertes Lob Gottes aus dem Mund von Menschen. Einfach wunderbar.