Archiv für den Monat: Januar 2017

Tabula rasa 2017

Tabula rasa im Posteingang: 2017, ich bin bereit!

Tabula rasa, das ist die bekannte glatte, saubere, leere Tafel (Tafel ist hier nicht im Sinne von Tisch zu mißdeuten). Die Freude jedes Zwangsneurotikers und der Horror aller Komponisten und Schriftsteller (jedenfalls, wenn es blank bleibt). Jahreswechsel ist auch tabula-rasa-Zeit. Eine Zäsur im Zeitlauf lädt immer ein, auch eine Zäsur im Leben zu machen. Diese Wochen sind prall gefüllt damit. Es beginnt mit all den Jahresendrundbriefen, die teilweise noch ungeöffnet auf meinem Nachttisch liegen. Es geht weiter über das nicht schweigen wollende Handy mit lustigen Neujahrswünschen, die oft kopiert weitergereicht werden (tolle Eisenbahnfotos mit sinnigen Sprüchen zum Beispiel). Und es endet entweder in guten Vorsätzen oder der verwegen offenen Weigerung, sich diese vorzunehmen. Ich habe gegen all das nichts, ausser der klitzekleinen Tatsache, dass es ein wenig bedauerlich ist, dass diese lieben Wünsche und lustigen Bilder immer so geballt daherkommen, dass man sich schon gar nicht mehr richtig die Zeit zum Genießen dafür nehmen kann. So erwischte ich mich selber dabei, auf einen Neujahrswunsch in der Sylvesternacht mit einem trockenen “dito” zu antworten. Literarisch sicherlich ausbaufähig …

Und jetzt, ja gerade vor zehn Minuten, pünktlich zum ersten Arbeitstag des Reformationsjahres 2017: tabula rasa. Das kommt nur zwei bis dreimal im Jahr vor, dass ich in meinem Posteingang alle Mails abgearbeitet habe und es leer ist (für alle Ungläubigen oder Unkundigen: leer heißt null Emails, s. Foto). Gleich einen Screenshot davon gemacht, bevor die ersten neuen Arbeitsaufträge oder Spams einfliegen (es dauerte ca. drei Minuten). Ein gutes Gefühl: 2017 kann kommen, 2016 ist abgehakt (ausser für den armen Schatzmeister).

Rechtzeitig zum Ende des Jahres hatte ich noch einen Blog über das Weihnachtsfest geschrieben. Gerade wollte ich ihn freigeben, da passierte Berlin und irgendwie passte es nicht mehr (vielleicht dann 2017). Auch hier wünschte man sich mehr tabula rasa, einen Neuanfang. Aber genau dann wird man (durch den nächsten Anschlag oder die nächste Schlagzeile) daran erinnert, dass es nur ein Datum ist. Dass man (oder: die Welt) sich nicht zwischen dem 31. Dezember und dem 01. Januar verändert, sondern zwischen dem 01. Januar und dem 31. Dezember! Und je mehr ich darüber nachdenke, entweder angstvoll in die Nachrichtenwelt blickend oder hoffnungsvoll in die Planung für Familie und Vereinigung, umso mehr möchte ich das Jahresmotto laut zum Himmel schreien: Dein Wille geschehe! Einige Gedanken dazu haben Jan Kozak und ich ja schon im Video zum Jahreswechsel beigetragen.

Wie fange ich es also an, das Jahr 2017? Am besten am Anfang. Karl Barth formulierte es damals  (1940!) folgendermassen: «Der Anfang unserer Erkenntnis … ist nicht ein Anfang, den wir mit ihm machen könnten. Er kann immer nur der Anfang sein, den er mit uns gemacht hat» (KD II/1, S. 213). Am Anfang ist immer Jesus Christus und sein Ja zu mir. Wenn ich zu ihm komme, komme ich zum Anfang, zum Ursprung. Das will ich, ob als Vorsteher oder Familienvater oder Ehemann oder Freund oder Bruder (oder …), gerne wieder in diesem Jahr hören und dann auch ausüben!

Euch allen Gottes Segen für 2017

Euer Dennis