Ehe für alle – kurz mal (nicht) aufgepaßt!

Ehe für alle? Die Leute, die hier arbeiten, haben’s entschieden. Foto: DWM

Ein schwuler Freund von mir vertraute mir neulich ein Geheimnis an. Er sei jetzt Vater. Freundinnen von ihm, ein lesbisches Pärchen, hatten ihn davon überzeugt. Nach langen Diskussionen hatten sie einen Pakt gemacht, bei dem alle ihre Verantwortung übernehmen. Technisch brauchte es dazu weder Körperkontakt, noch Arzt, noch Gesetze.

Nun, nachdem der Bundestag die „Ehe für alle“ beschlossen hat und ich die aufgeregten Kommentare, Tweets und Facebookbeiträge gelesen habe, frage ich mich: hätte ich als adventistischer Pastor nicht schon beim Wort „lesbisch“ meine Finger in die Ohren stecken und laut die zweite Strophe von „Oh komm, du Geist der Wahrheit“ singen müssen, in der es heißt: „Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.“?

Was nun? Aufregen oder abregen? Nach kurzem Nachdenken über die neu geschaffenen Fakten (im Grunde ist es nur das Adoptionsrecht, das sich ändert) legt sich mir der Verdacht nahe, dass mehr Menschen an der Aufregung über das Thema sterben könnten als Kinder verkorkst werden, weil sie in einer gleichgeschlechtlichen Familie aufwachsen, umgeben von normalen Menschen, Freunden, Verwandten, Schulkameraden, Nachbarn etc. Ein paar Sachen haben mich  jedoch gewundert:

  1. Da waren wir plötzlich überrumpelt, als die Kanzlerin kurz die Deckung sinken ließ und der Schulz da voll reinhielt. Nicht, dass wir schon seit über 20 Jahren das Thema politisch und gesellschaftlich debattieren und mit dem Konzept der eingetragenen Lebenspartnerschaft seit Jahren beobachten können, dass der Untergang des Abendlandes ausblieb. Hier passierte genau das, was Deutschland im Finale des Confed-Cups Chile schamlos ausnutzte: der chilenesische Verteidiger verdaddelte sich vor dem eigenen Strafraum und peng: 1:0. Klare Sache. Kein Deutscher regt sich jetzt darüber auf (bei den Chilenen bin ich mir da nicht sicher). Politik ist halt Strategie. Sich darüber aufzuregen hieße sich zu wundern, dass Stürmer irgendwie immer dahin schießen, wo der Torwart gerade nicht steht. Wie unfair!
  2. Was kommt als Nächstes? Immer, wenn die Gesellschaft etwas liberalisiert, steht eine Lobbygruppe aufgeregt vor dem Bundestag und hält Transparente in die Kameras, auf denen Sachen stehen wie: was kommt als Nächstes? Kann ein Mann bald – was wirklich überfällig ist – sein Auto heiraten oder eine Ufologin eine Untertasse? Da kann ja jeder kommen. Und der kommt dann auch bestimmt. In der Logik bezeichnet man dieses Argument als slippery slope (im Englischen eine glitschige, schiefe Ebene, auf der der ins Rutschen gerät, der sich auf sie begibt). Das Problem an diesem Argument ist, dass es ja schon etwas als negativ voraussetzt, um daran noch Negativeres zu knüpfen, das nicht zwingend etwas damit zu tun hat. Zweitens übersieht das Argument, dass politische Entscheidungen, die mir missfallen, nicht zwangsläufig ihren Ursprung in den Mächten der Finsternis haben müssen, deren dunkle Wolken die Republik überziehen.
  3. Verhältnismäßigkeit. Die größte Sorge gilt nun den Kindern. Sie sind fraglos zu schützen. Sicherlich wird jeder sehen, dass das Wohl von Kindern durch ganz andere Dinge gefährdet ist, die mit sexueller Orientierung nichts zu tun haben. Es ist gleichwohl angebracht, das Ausmaß eines Problems mit der Lautstärke der Aufregung darüber ins Verhältnis zu setzen. Was ist also die tatsächliche Bedrohung der Grundfesten der Gesellschaft, der schützenswerten Keimzelle unserer Zivilisation, der Familie? 3-5% der Bevölkerung sind schwul. Ein paar Prozent davon leben in dauerhaften Beziehungen. Ein paar Prozent davon heiraten jetzt. Ein paar Prozent davon wünschen sich Kinder. Ein paar Prozent davon werden die hohen Anforderungen zur Adoption erfüllen. Ein paar Prozent davon werden ein Kind erziehen. Ein paar Prozent der Kinder werden leider, wie auch bei heterosexuellen Verbindungen, keine glückliche Kindheit haben. Statistisch bewegen wir uns mittlerweile deutlich im Promillebereich. Fazit: es geht nicht um die Gesellschaft, sondern eine verschwindend geringe Gruppe von Betroffenen, von denen wir nicht einmal wissen, ob unsere Befürchtungen eintreffen oder ob die Anzahl daraus hervorgehender psychisch geschädigter Kinder statistisch signifikant über dem Schnitt liegt. Alle bisherigen Langzeitstudien an Kindern aus Regenbogenfamilien belegen, dass sie völlig normal sind. Es gibt nur eine Sache, unter der sie mehr als andere leiden: Stigmatisierung.
  4. Staat und Kirche: Der engagierte, bibelfeste Christ reibt sich die ohnehin schon wunden Augen, schüttelt entgeistert mit dem Kopf und greift zur letzten Verzweiflungstat: der Unterzeichnung einer Online-Petition. Nach getaner Tat wird auf Facebook geteilt: ich bin nicht kampflos untergangen, wie ihr alle seht. Ja, Glaubens- und Gewissensfreiheit sind immer dann wichtig, wenn ich sie einfordern kann. Weniger, wenn ich sie gewähren muss. Das ist dann anstrengend. Seit der Trennung von Staat und Kirche aber, daran muss erinnert werden, ist der Staat zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet. Es ist einfach nicht seine Aufgabe, die christliche Ehe zu schützen. Deshalb hat er auch irgendwann damit aufgehört, Ehebrecher (und Kuppler) zu bestrafen (worüber sich Christen komischerweise nicht mehr beschweren, schon gar nicht Betroffene). Das Gute daran: der Staat schreibt uns Christen auch nicht vor, wie wir die Ehe zu definieren haben. Es ist ihm also relativ egal, was ich als Christ über Homosexualität denke (wie ich also die umstrittenen sechs Bibeltexte interpretiere) oder wie eine Kirche Ehe definiert. Sie kann das weiterhin freiheitlich tun. Das einzige, wozu wir gezwungen werden ist, auszuhalten, dass wir schräge Nachbarn haben könnten. Das war schon in den siebziger Jahren eine harte Prüfung für die deutsche Seele. Da fielen diese von uns lieblos als „Spaghettifresser“ betitulierten Südländer in unser Land ein. Wer heute, 45 Jahre später, hip sein will, der trinkt Caffè Crema und trifft sich bei Salvatore mit den Leuten vom Volkshochschulkurs „Italienisch für Fortgeschrittene“.
  5. Die bürgerliche Ehe (Zivilehe): mit der Einführung der bürgerlichen Ehe in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts (im Übrigen als Ausdruck von negativer Religionsfreiheit: dass nämlich Menschen, die aus der Kirche ausgetreten waren, auch heiraten konnten) trennten sich bei uns die Wege von kirchlicher und staatlicher Hochzeit. Und damit auch deren Definition. Ab jetzt erst gab es den berühmten “Schein”. Wir scheinen vergessen zu haben, dass jahrhundertelang keiner so richtig definierte, was eine Ehe ist. Es gab einen gesellschaftlichen Konsens und wer anders war, fiel eben unbotmäßig aus dem Rahmen. Das wird sich nicht ändern. Nur der gesellschaftliche Konsens ändert sich. Manchmal sagen wir: die Ehe ist eine Institution aus dem Garten Eden. Das stimmt ja irgendwie. Aber wenn man die Texte liest, dann ist da nichts von Institution zu spüren, sondern einfach von Zusammenleben (in der Bibel natürlich von Mann und Frau), das Gott segnet und das verbindlich und exklusiv miteinander gestaltet wird. Eine schöne Sache, die ich auch seit 22 Jahren praktiziere. Jede Ehe wird, neben den grundsätzlichen biblischen Rahmenbedingungen, eh durch die Menschen definiert, die sie gestalten. Deshalb sind Vorbilder wichtig. Die müssen wir uns nach wie vor selber suchen (in der Bibel, im Freundeskreis, der Gemeinde).

Bin ich jetzt für oder gegen die Ehe für alle? Ehrlich gesagt habe ich mich gar nicht so intensiv mit allen Studien und Aspekten beschäftigt, wie ich das müsste, um ein gutes Urteil darüber abzugeben oder mich gepflegt aufzuregen. Ich habe den Verdacht, man spürt meinen Zeilen zumindest ab, dass ich denke, dass Kinder aus gleichgeschlechtlichen Ehen sich völlig normal entwickeln werden. Das gebe ich zu.

Aber mich hat ja keiner gefragt. Und schon gar kein Bundestag. Ein Pauschalurteil im Sinne einer Ideologie (ob sie nun christlich oder Regenbogen oder beides ist) missfällt mir. Aber mal einen unaufgeregten Diskurs dazu zu führen, dazu hätte ich schon Lust. Nur:  Sex und unaufgeregt, das geht meist schief. Das liegt an unserer angeborenen Leidenschaft, die ja auch etwas Wunderbares ist.

Bevor ich versuche, die Ehe von allen oder für alle zu retten, bleibe ich zunächst dabei, mich darum zu kümmern, dass meine weiterhin prima läuft. Und wer wie ich dabei ist, Kinder durch die Pubertät zu bringen, kennt auch manchmal das Gefühl, trotz hetero und christlich zu versagen. Aber auch das geht vorbei. Das Gefühl, meine ich.

Euer Dennis

 

11 Gedanken zu „Ehe für alle – kurz mal (nicht) aufgepaßt!

  1. Ulrich Bretschneider

    Hallo Dennis,

    zu Deiner Erklärung der „Übrigen“ („Gemeinde der Übrigen“):
    Jetzt bin ich überrascht. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass bei der Verkündigung des „ewigen Evangeliums“ endlich Schluss gemacht wird mit dem theologischen Wirrwarr unserer Zeit und die Trennung zwischen der „Welt“ und den „Übrigen“ deutlich wird. Nun höre ich von Dir, dass die „Übrigen“ unterschiedliche theologische Positionen vertreten werden. Mmm …, das ist ja direkt besorgniserregend. Was soll denn jetzt die „gefallende Welt“ verstehen, wenn sich nicht einmal die „Übrigen“ hinsichtlich des Willens Gottes einig sind!? Mmm Mmm…

    Gesellschaftspolitisch vollzieht Deutschland nun den Schritt von der Familie als der „NATÜRLICHEN Keimzelle der Gesellschaft“ zur „SYNTHETISCHEN Keimzelle der Gesellschaft“. In diesem Sinne bin ich dafür, dass Polygamie ebenso ins neue Familienbild gehört. Mehr „Toleranz“!! Warum immer nur egoistisch „Glaubensfreiheit“ für sich fordern. Polygamie lässt sich biblisch viel besser als Homosexualität rechtfertigen!

    Was heißt eigentlich „verantwortungsvoller Umgang“ mit Bibelstellen?? Auch Rudolf Bultmann oder Dorothee Sölle hätten von sich behauptet, extrem „verantwortlich“ mit Bibelstellen umzugehen. Solche Sprüche sind nur Blendgranaten, die („fromm“ kaschiert!!) einen höheren Erkenntnisstand vortäuschen wollen. Wie exegetisch falsch argumentiert wird, hat David Field bereits 1982 in seinem allgemeinverständlichen Buch „Homosexualität – Was sagt die Bibel wirklich?“ dargelegt.

    Wie kann es eigentlich sein, dass der (beispielsweise im „Großen Kampf“) stigmatisierte Antichrist in der Frage der Homosexualität mehr Bibelkonformität aufweist als die „Gemeinde der Übrigen“ bzw. einige ihrer Repräsentanten. Grotesk, dass man richtig froh sein muss, dass es noch eine katholische Kirche gibt, die ihren Abgeordneten im Bundestag empfohlen hat, mit NEIN zu stimmen.
    Konservative Adventisten seien jedoch getröstet. Es gibt ein offizielles (!!) Statement der GK, in dem Homosexualität EINDEUTIG als nicht mit dem Willen Gottes vereinbar stigmatisiert ist. (https://www.adventist.org/en/information/official-statements/statements/article/go/-/homosexuality/)

    Gruß Uli

    1. Dennis Meier Beitragsautor

      moin uli,

      schön, dass du überrascht bist. ist doch immer spannend.

      1. die übrigen und theologische vielfalt. der grund für die konfessionalisierung und die polarisierung ist die tatsache, dass wir alle die eine schrift lesen, von der wir zwar meinen, sie lege sich selber aus (was auch stimmt), aber genug arbeit der auslegung bleibt, wie sich zeigt. schon die schrift selber besteht aus vielen theologischen stimmen, die zwar einen grossen harmonischen chor ergeben, aber in denen unterschiedliche positionen aufeinander treffen. die priester gegen die propheten, jesus gegen die schriftgelehrten, jakobus und paulus, corpus johanneum und corpus lukanum, um nur einige zu nennen. menschen kommen beim lesen der schrift zu unterschiedlichen standpunkten in der praxis, selbst wenn sie im kern übereinstimmen. das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben und davon sind die übrigen, wie auch immer definiert, mit sicherheit nicht ausgenommen. fehlende ambiguitätstoleranz ist geradezu die krankheit unserer tage. das hat überhaupt nichts mit anything goes oder relativismus zu tun, sondern eben mit der anerkennung, dass jeder mensch zu einem verantworlichen umgang berufen ist. dass es auch einen unverantwortlichen umgang gibt, das ist doch klar (natürlich immer bei den anderen). dass man völlig anders denken kann als bultmann und sölle ist auch klar. und dass wir als adventisten einen corpus von theologischen lehren vertreten, auf die wir uns gründen, ist auch legitim. gleichzeitig muss es aber toleranz unterschiedlicher praktiken und auslegungen geben, sonst splittern wir entweder noch weiter auf oder werden zu einem kult.
      2. das statement der GK sagt gerade nicht das, was du sagst. passender wäre dieses statement (same-sex unions: https://www.adventist.org/en/information/official-statements/statements/article/go/-/same-sex-unions/), in dem u.a. steht: We hold that all people, regardless of their sexual orientation, are loved by God. im tenor unterstützt auch dieses statement das, was du meinst (das ausleben von homosexualität ist sünde), aber vorsicht mit der formulierung. STA sagen gerade nicht, dass homosexualität nicht mit dem willen gottes vereinbar ist. spätestens seit der konferenz in südafrika (alternative sexualities) wurde deutlich gemacht: a) menschen können nichts für ihre sexuelle orientierung und müssen damit akzeptiert werden; b) eine “heilung” von homosexualität gibt es nicht. die positionen sind nur unterschiedlich, was das ausleben der sexualität anbetrifft (offiziell, wie du richtig anführst: nein). das sollte man differenzieren.
      in allem bitte ich zu bedenken, dass wir so kommunizieren, dass betroffene dabei nicht vor den kopf gestossen werden. jeder, der meint, mit dem papst oder der bibel die keule der wahrheit schwingen zu müssen, der sollte erst einmal mit mindestens drei betroffenen personen eingehend geredet haben. wer niemanden kennt, kann das auch schriftlich nachholen, denn etliche davon haben ihr leben aufgeschrieben. da wird der engagierte bibeltreue christ schnell ganz still angesichts menschlicher schicksale, die man nicht mit bibelverweisen zustellen kann. mir fällt auf, dass diese diskussionen ganz schnell ganz lieblos werden. davor möchte ich sie bewahren.

      liebe grüsse
      dennis

  2. Ulrich Bretschneider

    Vielleicht darf ich zur Verlinkung von „Gemeinde der Übrigen“ mit „Ehe für alle“ eine Denkhilfe anbieten:

    Die GdÜ verkündet das „ewige Evangelium“ (Off 14,6) einer gefallenen Welt. Der Außenstehende fragt sich doch nun berechtigterweise, wie urteilen denn jetzt die Vertreter der GdÜ zu den derzeitigen weltlichen Entwicklungen. Da bietet doch die Aussage „bin ich nun dafür oder dagegen?“ zu wenig Substanz, zumindest im Vergleich zur ursprünglichen Inhaltsfüllung des Terminus „ewiges Evangelium“. M.E. mit ausdrücklicher Gewichtung des Dekalogs.

    Übrigens: Jeremia ist auch (äußerlich betrachtet) vergeblich gegen eine rein politisch denkende (und insofern säkularisierte) Oberschicht seines Volkes angerannt. Da urteile ich mal, zum Glück ist er „nicht kampflos untergegangen“. Denn … sein Untergang hatte späte Frucht. Vielleicht geht es dem „Netzwerk für Bibel und Bekenntnis“ ähnlich, ob mit oder ohne Facebook und Plakate vor dem Bundestag.

    P.S. die Sortierung der Statements im Block ist etwas unverständlich (zeitliche Reihenfolge?)

    1. Dennis Meier Beitragsautor

      hallo uli,

      mir kommen dazu folgende gedanken in den sinn:
      1. “gemeinde der übrigen” ist ja m.w. kein biblischer begriff und kommt so weder in der englischen noch in der deutschen version von glaubenspunkt nr. 13 vor. da ist nur von den übrigen (the remnant) die rede. gemeint ist damit m.e. keine elitetruppe, die sich von normalen gläubigen abhebt, sondern eben die treuen nachfolger christi. es ist ja nicht unbekannt, dass es schon länger einen disput gibt, ob adventisten DIE übrigen sind oder TEIL der übrigen. die formulierung von glaubenspunkt nr. 13 jedenfalls scheint sich vorsichtig an dem konflikt vorbeizuschleichen bzw. einen mittelweg zu suchen. ich gebe jedenfalls offen zu, dass ich zumindest dem biblischen text nicht entnehmen kann, dass damit eine konfessionelle gruppe gemeint ist.
      2. “ewiges evangelium”: nicht nur, dass sich in diesen begriff alles mögliche reinpacken lässt. nein, es WIRD auch alles mögliche reingepackt und so kann natürlich auch die brücke zu allem möglichen geschlagen werden (auch zu unserem thema).
      3. die antwort auf die frage, ob man nun dafür oder dagegen ist, wird aber, wie bei der frage der homosexualität allgemein auf zwei ebenen zu beantworten sein. 1. der offiziellen (wir sind dagegen, nach allen offizellen statements) und 2. andere “übrige” sind dafür, weil sie die offizielle haltung der freikirche zur homosexualität nicht teilen.
      4. insofern geht es mir weniger darum, offizielle statements zu vermehren oder zu wiederholen, sondern darum, für mehr toleranz einzustehen und auch diejenigen, die betroffen sind, die andere ansichten haben und sie begründen können, zu respektieren (als übrige, im übrigen).

      gruss
      dennis

      ps: an der zeitlichen einordnung kann ich nichts ändern, leider. auch dauert die freigabe eines beitrages manchmal so lange, wie ich eben brauche, um ihn freizugeben. jeden tag gibt es viele spam-angriffe auf diesen blog, so dass ich nicht automatisch kommentare freigeben kann, sondern jeden einzeln markieren muss.

      1. Rudi Schucht

        Hallo Dennis,
        egoistisch,wie ich bin,nehme ich an,dass mit Kommentar,den Du an Uli gerichtet hast,ich gemeint bin.
        Außerdem Zeit habe ich mehr als Du,sodass Du Dir Zeit nehmen kannst bis Du mir antworten kannst.
        Die zahlreichen Diskussionen um die GdÜ sind mir noch einigermaßen geläufig.Die endlose Geschichte.
        Da ich keine “Aktien” mehr in der STA-Kirche habe,bewegt mich dieser Punkt nicht sonderlich.Denke nur daran,dass,wenn jemand sich für die STA-Kirche interessiert,etwas verwirrt sein muss,wenn er den Begriff der GdÜ verstehen will.Aber s.o.

        Denke ich sollte es auch zukünftig sein lassen,mich mit den Glaubenspunkten meiner Ex-Kirche zu befassen.
        In alter Verbundenheit.Rudi

  3. Rudi Schucht

    Hallo,
    zuerst nenne ich ein paar Fakten über mich,damit die Diskutierenden(Dennis weiß das)wissen wes Geistes Kind ich bin.Männlich,75 Jahre alt,nach über 40ig jähriger Mitgliedschaft aus der STA-Kirche ausgetreten.Nicht weil ich irgendeinen persönlichen Zoff mit Jemandem hatte,sondern weil ich eine Menge von Lehrpunkten für antibiblisch halte.Die STA-Kirche hat für Leute wie mich,eine liebevolle Bezeichnung:”Neuheide”.Die Bezeichnung wird damit begründet,dass ich aus der Kirche ausgetreten bin,die die Wahrheit,als selbsternannte Elite Gottes (Gemeinde d.Übrigen),kennt.Füge hinzu ,dass,als ich aus der STA-Kirche,langsam zu begreifen begonnen habe,was Paulus mit “Freiheit in Christus” bedeutet.
    Genug Vorrede.
    Habe mir beide Komentare mal etwas aus der Nähe angesehen Der von Uli(ich hoffe ich darf Dich so nennen) kommt meinem christlichen,nicht adventistischem,relativ nahe.Weiß nicht,ob die Diskussion der einzeln Punkte etwas bringt.Können wir aber machen.Ein Punkt hebe ich aber hervor,weil er argumentativ stark ist.Weshalb soll Jesus über etwas aufregen,was es nicht gibt.Für das,was es nicht gibt,die Ehe,findet findet er noch eine ausführliche,verschärfte Definition.
    Natürlich respektiere ich Deine Meinung ,wie stets.
    Für mich stellt sich da lediglich die Frage :Wie passt das mit der Lehre der GdÜ überein?
    Es grüßt der “Neuheide”. Rudi

    1. Dennis Meier Beitragsautor

      hallo rudi,
      1. herzlich willkommen.
      2. ich habe die bezeichnung “neuheide” für menschen, die ausgetreten sind, noch nie in meinem leben gehört (komme allerdings auf nur 37 jahre mitgliedschaft, packe aber noch 14 jahre pastorensohn mit drauf). wenn du das für dich in anspruch nimmst, ist das etwas anderes und sicherlich eine konkrete erfahrung.
      3. ich nehme es mal auf meine kappe, wenn ich mich unklar ausgedrückt habe. mein kommentar zur “ehe für alle” ist kein kommentar, wie ich die ehe aus christlicher oder biblischer sicht sehe (drei ausrufungszeichen, eines für uli, eines für dich und eines auf reserve !!!), sondern was ich finde, von einem staat erwarten zu können oder erdulden zu müssen, der nun mal religionsneutral und säkular ist. sicherlich habe ich auch etwas zur bibel gesagt im zusammenhang von “definition der ehe” und “institution der ehe”. dieser blog ging aber nicht über das, was in den ersten drei kapiteln von genesis steht oder was jesus über die ehe lehrt. all das ist sehr wichtig für christen. aber nicht das thema! es sei denn, man hat die agenda, dass der staat meine christlichen werte so umsetzen muss, wie ich sie für richtig halte (oder die kirchen). darüber lässt sich auch diskutieren.
      3. eine für mich selbstverständliche regel für diskussionen in diesem blog ist (neben fairness, respekt etc.), dass es zum thema gehen muss. was das thema jetzt mit der lehre von den übrigen zu tun hat, weiss ich nicht. kann ich nicht beantworten. ist vielleicht mal einen blog wert, wenn das thema aktuell wird.

      gruss und danke fürs mitlesen
      dein dennis

      1. Rudi Schucht

        Hallo Dennis,
        der Begriff “Neuheide” ist nicht meine Erfindung.Der Begriff wurden durch die GiD(?) kreiert ,die vor einigen Jahren eine Schriftenreihe begonnen hatte ,aber nur ein paar Ausgaben geschafft.Da ich mich mal i S rumtreibe,und das noch eine gewisse Zeit tue,kann ich Dir keine genauen Zitate liefern,da meine Unterlagen in D sind.Bei meiner Rückkehr werde ich sie nachliefern.
        Das Dein Blog ein rein politischer sein soll,kann man im Nachhinein so interpretieren.
        Trotzdem,oder gerade deswegen,verstehe ich nicht Deine selbstgestellte Frage nicht,ob Du für oder gegen die “Ehe für Alle” bist.
        Die GdÜ habe ich in der Einleitung in der Vorstellung meiner Person gebracht,und in diesem Zusammenhang ist m.E. die Erwähnung durchaus sinnvoll.
        Beste Grüße aus S.Rudi

        1. Dennis Meier Beitragsautor

          hallo rudi,

          1. es ist ja noch nicht so, dass mir der begriff “neuheide”ungeläufig ist. vielmehr bezweifle ich, dass er a) von unserer kirche “kreiert” wurde und b) generell für aus der kirche ausgetretene benutzt wurde, wird, werden sollte.
          2. den blog rein politisch zu verstehen ist auch wieder ein missverständnis. genau genommen geht es, ich sage es gerne noch einmal, weder um politik noch um theologie, sondern um die SCHNITTSTELLE davon, nämlich das verhältnis von beiden. das ist gegenstand meiner erörterungen. und dafür ist es unerheblich, was meine theologische ODER politische meinung dazu ist. die fragestellung ist: wie leben wir als christen in einem säkularen staat? was dürfen wir erwarten? was müssen wir erdulden? worüber lohnt es sich, aufzuregen? usw.
          3. danke für die erläuterungen zu gemeinde der übrigen. sehe aber immer noch keinen zusammenhang.

          liebe grüsse nach schweden
          dennis

  4. Ulrich Bretschneider

    Hi Dennis,
    Dein Beitrag zum Thema „Ehe für alle“ soll nicht unkommentiert bleiben (habe lange auf andere Stimmen gewartet!), zumal einiges doppeldeutig formuliert ist und anderes sehr oberflächlich gedacht abgehandelt wird.
    Aus dem Beschluss des Bundestages ergeben sich zwei Fragestellungen, einmal die Bewertung aus rein weltlich-demokratischer Sicht und die wesentlich wichtigere Frage nach der Bewertung des Geschehens aus christlicher Sicht.

    Zum Ersten:

    Wenn laut Meinungsforschung ca. 75 % der Bevölkerung für die „Ehe für alle“ sind, dann ist es – demokratisch verstanden – völlig richtig diesen Schritt zu vollziehen. Allerdings muss man sich schon fragen, wie es zu so einer hohen Zustimmung kommen kann? Zwei der Hauptgründe möchte ich nennen:
    1. Unsere Zeit ist extrem individualistisch eingestellt: Was interessiert mich das Privatleben meines Nachbarn solange es mein Privatleben nicht beeinträchtigt.
    2. Je mehr Freiheit (gerade in der Frage der sexuellen Beliebigkeit) ich dem anderen einräume, desto mehr Freiräume stehen mir zu. Das ist tiefenpsychologisch. Ich habe in der DDR gelebt und gearbeitet. In den volkseigenen Betrieben wurde geklaut, was nicht niet- und nagelfest war. Solange mein Diebstahl ein ganzes Stück unter dem Level der anderen lag, hatte ich ein blendend reines Gewissen. (Schließlich war ja Volkeigentum Volkes Eigentum und Erich Honecker hatte gesagt, man solle Materialreserven aufspüren)

    Es ist sehr oberflächlich gedacht zu behaupten, es hätte sich damit wenig geändert und dies mit einer Hochrechnung zukünftig adoptierter Kinder zu begründen. Es geht nicht um Quantität sondern um eine Veränderung der Qualität. Es ist ein Unterschied ob man eine Sache stillschweigend duldet oder ob man sie legalisiert. „Ehe“ wurde neu definiert und das mit verfassungsrechtlichen Hintergrund. Noch 2002 hatte sich das Bundesverfassungsgericht zum Verständnis des Begriffes Ehe im Artikel 6 GG eindeutig geäußert: Ehe kann „… nur mit einem Partner des jeweils anderen Geschlechtes geschlossen werden …“ und zur Ehe gehöre „… als Wesensmerkmal die Verschiedengeschlechtlichkeit der Partner…“. Sicher werden jetzt die Bundesrichter neu definieren. „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ (K. Adenauer)

    Ferner sollte man nicht über Leute witzeln, die jetzt die Frage stellen, was als nächstes kommt. Unter denen werden einige sein, die geschichtliche Entwicklungstendenzen mit viel schärferen Blick auswerten, als beispielsweise die Redakteure von „Zeichen der Zeit“. Noch 1969 war Sodomie (Geschlechtsverkehr mit Tieren) eine Straftat. Jetzt ist es eine Ordnungswidrigkeit. Die Bedenken der Tierschützer (das Tier darf dabei keine Schmerzen haben) wird man ausräumen können. In Dänemark gibt es schon Bordelle, wo man das Tier seiner Wahl besteigen kann. Und dann erinnern wir uns mal 30 Jahre zurück. Da war doch die Partei der Konfettiwerfer im Bundestag für die Legalisierung von Pädophilie. Hätten die 50 % der Parlamentssitze, dann würde man wahrscheinlich längst über die Rahmenbedingungen zulässiger Pädophilie abgestimmt haben.

    Zur wichtigeren Frage der Homosexualität aus christlicher Sicht:

    Wenn heutzutage sogar evangelikale Theologen vor dem Zeitgeist einknicken, wie hat man dies zu bewerten?! Muss man sich nun von modernen Oberlehrern sagen lassen, wie man Bibel neu zu verstehen hat? Was heißt denn hier „umstrittene“ Bibeltexte. Dazu möchte ich aus dem Kommentar des Altbischofs von Baden-Württemberg, Gerhard Maier, zu 3 Mo 18,22 zitieren: „… Wenn heutige Gruppen die homosexuelle Praxis als ‚Schöpfungsvariante‘ verteidigen oder behaupten, ein Verbot lasse sich aus der Bibel nicht ableiten, dann argumentieren sie eindeutig gegen die ganze Bibel. Es gibt keine einzige Bibelstelle, die für die Homosexualität spricht. … Dabei ist die Bibel nicht mit der Diskussion beschäftigt, ob es eine anlagebedingte Homosexualität gibt oder nicht.“

    Richtig ist, dass das AT kein eigenes Wort für „Ehe“ hat. Alttestamentlich gesehen ist es ein Bund. Falsch ist, dass das biblische Eheverständnis damit keinen „institutionellen“ Charakter hätte. Wie klar umrissen im Sinne einer Definition dieser Bund in der Bibel ist, zeigt sich in den umfangreichen gesetzlichen Regelungen hierzu, in der hohen Würdigung der Ehe durch Gott als Vergleichsbild für sein Verhältnis zu seinem Volk und letztlich in der Bewertung durch Jesus. Wie soll man denn das Verbot des Ehebruchs verstehen, wenn es keine eindeutige „Definition“ für Ehe gegeben hätte. (ganz nebenbei: für adventistische Theologie mit der Herausstellung des Dekalogs als „ewig gültiges Sittengesetz“ ist diese Argumentation ohnehin eine Groteske). Das wäre gerade so, wie wenn die STVO Regeln für zulässige Höchstgeschwindigkeiten festlegt, dabei aber offen lässt, ob nun Meilen pro Stunde oder Kilometer pro Stunde gemeint sind.
    Bei Deinem vierten Punkt habe ich mich ohnehin gefragt, ob ich den richtig verstehe, oder ob Dir hier die Formulierung missglückt ist. Praktizierte Homosexualität ist also ein Bestandteil von „Glaubens- und Gewissensfreiheit“!? Und wieder verwundert der Spagat zwischen (ehemaliger ??) adventistischer Theologie und derartigen (neuen) Behauptungen: Hatte ich nicht mal gelernt, dass bei der Verkündigung der dreifachen Engelsbotschaft der Verweis auf die ewig gültigen Vorschriften des Dekalogs eine zentrale Rolle spielt?

    Die Diskussion sollte fortgesetzt werden. An dieser Stelle möchte ich jedoch abbrechen mit einem Zitat aus einer Leserzuschrift eines Homosexuellen (!) in Idea Spectrum 25/2017: „… Die Sexualisierung des Seins, …, ist eine bewusste Zumutung für die, die sich nicht nur ob ihres Christseins an der Perversion der Liebe stören. Denn wer die schwul-lesbische Welt kennt, der weiß um die erbarmungslose Durchsetzung von respektlosen Oberflächlichkeiten ohne Rücksicht auf die Nebenwirkungen. Nein, viele Homosexuelle wollen eben gerade nicht Teil unseres Miteinanders sein, sondern sich derart abgrenzen, dass auch Theologen auffallen müsste, wie fern deren Ansinnen von dem ist, was wir als verantwortungsvolle bekennende Christen vertreten.“

    1. Dennis Meier Beitragsautor

      Lieber Uli,
      Schön, dass du die Diskussion engagiert aufnimmst und auf die einzelnen Themen eingehst. Genau das soll ja so ein Blog bewirken. Der Beitrag war zum Thema “Ehe für alle”, also der gesellschaftlichen Diskussion. Dass man von da schnell auf das Thema Homosexualität kommt, ist naheliegend, aber doch irreführend. Vielmehr geht es um das Verhältnis gesellschaftlicher Entscheidungen, wenn sie im Widerspruch zu meinen Glaubensüberzeugungen stehen, was ja oft passiert. Oder anders: Staat und Kirche. Dass Theologen, die beim Studieren der biblischen Texte zu anderen Schlüssen kommen, pauschal als Verdreher und Zeitgeistanpasser diffamiert werden, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist unser aller Pflicht, mit den Texten verantwortungsvoll umzugehen. Die von dir bemühte Argumentation fällt für mich nicht darunter. Es braucht vernünftige Exegese im gesamtbiblischen Kontext. Nur weil einer einen Text anders versteht als ich, muss ich ihn nicht schlecht reden. Ferner kannst du nicht von einer Einzelstimme (betroffen oder nicht) auf das Thema rückschließen. Vorher ging es dir noch ums Prinzip, nun reicht eine einzelne Stimme? Und zuletzt: zwischen “eindeutiger Bibelstelle, die für die Homosexualität spricht” und vermeintlich biblischem Verbot homosexueller Handlungen (was immer das ist) gibt es viele nuancierte Mittelpositionen. Das sind dann meist auch die, die etwas verantwortlicher mit dem Text umgehen: ihn also weder politisieren noch emotionalisieren.

      Gruss
      Dennis

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