Healthy not Hungry in der Bullerei

In Tim Mälzers Fernsehstudio auf der Schanze in Hamburg. Foto: DM

Das Welternährungsprogramm der UN, die Welthungerhilfe und Gobal Citizen luden gestern am Rande des anhebenden G20 Gipfels Vertreter aus den Nichtregierungsorganisationen zu einem Empfang unter dem Namen “Healthy not Hungry” (frei übersetzt: gesund statt hungrig) in die Bullerei, Tim Mälzers Fernsehstudio (denn eine Küche passte zu dem Thema). Als Begleitung meines Bruders, der bei World Vision arbeitet, hatte ich die Gelegenheit, mit dabei zu sein. Ca. 60 namentlich Geladene vernetzten sich an Stehtischen bei gesunden und leckeren vegetarischen Häppchen aus der Küche des Gaumenmaestros. Zwischendurch gab es kurze Redebeiträge.

Hunger ist, wie ich lernte, SDG #2, also das zweite Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen (SDG steht für sustainable development goals, nachhaltige Entwicklungsziele). Es lautet in der Kurzfassung: Zero Hunger (Null Hunger) und besagt im Wortlaut: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.

Marwin Meier und Tim Costello (beide World Vision) im Gespräch mit dem Direktor des UN Welternährungsprogramms, David Beasley. Foto: DM

Das soll bis 2030 erreicht werden. In erster Linie war dies ein Vernetzungstreffen, aber auch eine Erinnerung, dass dieses Ziel nur durch gemeinsame Anstrengung erreicht werden kann. Das Positive: es ist durchaus möglich, dieses Ziel zu erreichen. Bereits mit den sog. Millenniumszielen (bis 2015) konnte gesehen werden, dass Anstrengungen, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen, Ergebnisse bringen.

Ein kleines Who-is-Who der gestrigen Beiträge:

  • David Beasley: Direktor des UN-Welternährungsprogramms
  • Bärbel Dieckmann: Präsidentin der Welthungerhilfe
  • Joaquim Levy: Chief Financial Officer der Weltbank und ehemaliger Finanzminister Brasiliens
  • Peter Murphy: Vorsitzender von Global Citizen (bekannt durch diese Benefiz-Mega-Konzerte, zum Beispiel heute Abend – 06.07. – in Hamburg)
  • Ann Cairns: Präsidentin von Mastercard
  • Dazu kamen zwei Vertreterinnen der Bundesregierung (Annett Guenther für das Auswärtige Amt und Ingrid-Gabriela Hoven vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit).

     

Joaquim Levy aus Brasilien arbeitet bei der Weltbank. Wirtschaftsexperte. Foto: DM

Was fiel mir als staunender Betrachter auf?

  • Hunger ist ein Thema, das uns alle angeht. Es ist zynisch, dass Menschen auf der Welt hungern. Die Welt hat genug Kapazitäten, um 10 Milliarden Menschen zu ernähren. Also uns und alle , die noch geboren werden (denn die Weltbevölkerung wird sich bei 10 Milliarden einpendeln).
  • Hunger ist besiegbar. Es ist nicht nur genug Essen für alle da, sondern auch genügend Gelder vorhanden. Sie müssen nur gegeben werden. Die Bekämpfung von Hunger und Armut ist eine Sache des Willens, nicht der Machbarkeit. Manche Länder geben NICHTS. Andere gehen großzügig voran.
  • Die Wirtschaft kann Beiträge leisten: das wurde am Beispiel von Mastercard deutlich. Die Firma hat zehn Prozent ihres Marktwerts (13 von 130 Milliarden) in eine Stiftung für humanitäre Zwecke gepackt. Gestern verkündete Frau Cairns, dass Mastercard Mittel bereit stellen wird, um 100 Millionen Mahlzeiten für Kinder zu bezahlen. Da sprechen wir von nur einem Unternehmen.
  • Erwartungen an den G20: wahrscheinlich wird Donald Trump heute mit einer Summe im Gepäck in Hamburg ankommen, die Nordamerika in die Bekämpfung der akuten Hungersnöte einbringen wird (Nachtrag: genau hier wurde die Summe während des G20 Gipfels öffentlich gemacht). Er wird wahrscheinlich versuchen, andere dazu zu bringen, auch in den Topf einzuzahlen. Natürlich wurde diskutiert, was für Gelder das sind, ob das nur die amerikanischen Überproduktionen sind, ob Trump hier Imagepflege betreibt, ob es ein Etikettenschwindel ist, ob nur amerikanische Unternehmen die Logistik dafür ausführen werden etc.

Als das Event vorbeikam, steckten wir erst einmal eine Stunde fest. So lange dauerte es, bis die friedliche “Statt G20 tanz’ ich”-Demo an uns vorüber war. Jede Menge junge Leute, die für eine bessere Welt auf die Strasse gehen.

Mir hat es wieder klar gemacht: Etwas für die Verbesserung der Welt zu tun sollten wir nicht an ADRA oder andere Profis delegieren. Es war ein schöner Moment, nach dem Event am Zaun zu stehen, die Demonstration zu beobachten und mit Tim Costello, dem Leiter von World Vision Australien über Jesus, die Reformation und die Hoffnung der Welt zu diskutieren. Seine Eltern sind übrigens in einem adventistischen Altenheim und fühlen sich dort rundum wohl.

Euer Dennis

Aussicht auf eine der Anti-G20-Demos. Jemand stellte die Frage: wo wäre Jesus jetzt? Bei den Demonstranten, bei dem Empfang gegen den Hunger auf der Welt, bei den Polizisten? Ganz woanders? Spannende, wenn auch ergebnislose Diskussion. Foto: DM

2 Gedanken zu „Healthy not Hungry in der Bullerei

  1. Ulrich Bretschneider

    Hatten denn die Weltverbesserer auch eine Idee, wie man die Nahrungsmittel vorbei an den korrupten Regierungen und Beamten der Entwicklungsländer zu den Bedürftigen bringt? (Weltpolizei ??)

    Welche Eingriffe in die freie Wirtschaft haben sie denn postuliert? (Staatswirtschaft? – damit haben wir ja auch die besten Erfahrungen)

    Bei der Hochrechnung der produzierbaren Nahrungsmittel (sprich: ausreichend für 10 Mrd. Menschen) bekomme ich immer ein breites Schmunzeln. Grundlage derartiger Rechnungen – soweit mir bekannt – ist der Einsatz modernster landwirtschaftlicher Technologie, chemisch-pharmazeutischer Bodenbearbeitung und Pflanzenschutz, Gentechnologie (!) und Einsatz ertragreichster Zuchtmethoden in der Tierhaltung. Bei anderen Gelegenheiten zählen diese Rechengrundlagen nicht mehr. Da gilt es Kritik an den „Ausbeutungs-“methoden heutiger Landwirtschaft zu üben.

    Mich wundert, dass Du als Befürworter der Hausfrauen-Pharmazie und Feinstaubverzehrer (Dein Loblied auf med. Kohle) beim Einsatz von Pharmazie und Gentechnologie in der Landwirtschaft nicht Unbehagen signalisierst!

    1. Dennis Meier Beitragsautor

      Lieber Ulrich,
      Alles sicher bedenkenswerte Probleme. Salomo würde sagen: es gibt eine Zeit zur Kritik und eine Zeit zum Hören und Staunen. Als geladener, neugieriger Gast (oder besser: Begleitperson eines Gastes) spürte ich nicht den Impuls, die Lösungen für die Weltprobleme gleich mitzuliefern. Auch nicht, den dort vielfach anwesenden Experten die Probleme zu erläutern, die sie sicherlich besser kennen als ich. Die werden sicherlich in den entsprechenden Foren kontrovers diskutiert.
      Grüsse
      Dennis

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